M√ľnchen

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M√ľnchen

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M√ľŐ£n|chen:
Landeshauptstadt von Bayern.

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M√ľŐ£nchen,
 
1) Hauptstadt Bayerns, an der Isar, mit (1999) 1,194 Mio. Einwohner drittgr√∂√üte Stadt Deutschlands; kreisfreie Stadt und Verwaltungssitz des Landkreises M√ľnchen und des Regierungsbezirks Oberbayern. Die Stadtregion (Planungsregion) M√ľnchen besteht aus M√ľnchen und acht umliegenden Landkreisen mit 186 Gemeinden (2,4 Mio. Einwohner).
 
M√ľnchen liegt 530 m √ľber M√ľnchen auf der flachen Schotterebene, die sich sanft von den Mor√§nen des eiszeitlichen W√ľrmgletschers im S√ľden gegen das aus Sanden und Tonen aufgebaute, mit L√∂ss bedeckte Terti√§rh√ľgelland im Norden abdacht, am Austritt der Isar aus ihrem Engtal in die Weite des Erdinger Mooses. Mehr als die geographische Lage haben jedoch historische Ereignisse den Aufstieg M√ľnchens bewirkt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde M√ľnchen eine der am schnellsten wachsenden St√§dte Deutschlands. Seine Anziehungskraft verdankt es neben dem wirtschaftlichen Aufstieg auch seiner geistigen Atmosph√§re, in der Bewahrung alter Tradition und dr√§ngender Fortschritt ihren Platz haben, seinem kulturellen Leben, seiner Gastronomie und der reizvollen Umgebung. Nach Sch√§tzungen ist etwa ein Drittel der Einwohner in M√ľnchen geboren, √ľber 20 % sind Ausl√§nder.
 
M√ľnchen ist Sitz des Erzbischofs von M√ľnchen und Freising. Die Ludwig-Maximilians-Universit√§t M√ľnchen wurde 1472 durch Herzog Ludwig IX., den Reichen, von Bayern-Landshut auf der Grundlage einer p√§pstlichen Bulle von 1459 als Hohe Schule in Ingolstadt geschaffen; 1510 wurde J. Eck berufen; 1556-1772 unter starkem jesuitischem Einfluss, Hochburg der Gegenreformation; 1800 wurde die Universit√§t unter Kurf√ľrst Maximilian IV. nach Landshut (erhielt 1802 den Namen Ludwig-Maximilians-Universit√§t) und 1826 durch K√∂nig Ludwig I. nach M√ľnchen verlegt. Weitere Bildungseinrichtungen sind: TU (gegr√ľndet 1868), Ukrainische Freie Universit√§t (gegr√ľndet 1921), Universit√§t der Bundeswehr (zum Teil in Neubiberg), Hochschule f√ľr Philosophie und f√ľr Politik, Fachhochschule M√ľnchen, Staatliche Hochschule f√ľr Musik, Akademie der bildenden K√ľnste, Theaterakademie (am Prinzregententheater), Akademie des Deutschen Buchhandels, Schauspielschule, Katholische Stiftungsfachhochschule (f√ľr Sozialberufe), Deutsche Journalistenschule, Hochschule f√ľr Fernsehen und Film, private Fachhochschulen, Bayerische Beamtenfachhochschule, Forschungs- und Technologiezentrum der Deutschen Bahn AG, Wirtschaftsakademie u. a. Fachakademien, Fachschulen (u. a. Meisterschule f√ľr Mode). M√ľnchen ist Sitz der Max-Planck-Gesellschaft und des Goethe-Instituts sowie der Deutschen Akademie f√ľr St√§dtebau und Landesplanung, der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, der Bayerischen Akademie der Sch√∂nen K√ľnste u. a. wissenschaftliche Gesellschaften, des Europ√§ischen Patentamtes und verschiedener Beh√∂rden und Institutionen des Bundes (Deutsches Patentamt, Bundespatentgericht, Bundesfinanzhof); Bayerisches Oberstes Landesgericht, Oberlandes-, Landgericht, Bayerischer Verfassungsgerichtshof, Bayerischer Verwaltungsgerichtshof. Wichtige kulturelle Institutionen sind die zahlreichen Museen (u. a. Bayerische Staatsgem√§ldesammlungen in der Alten und der Neuen Pinakothek, Bayerisches Nationalmuseum, Deutsches Museum, Pr√§historische Staatssammlung, V√∂lkerkundemuseum, Stadtmuseum, Glyptothek, Antikensammlung, Alpines Museum); Bayerische Staatsbibliothek u. a. Bibliotheken; Deutsches Bucharchiv M√ľnchen; Bayerische Staatsoper, Bayerisches Staatsschauspiel, zahlreiche Theater; Bayerischer Rundfunk, mehrere private Rundfunk- und Fernsehanstalten, Filmstudios; Botanischer Garten, Tierpark Hellabrunn, Pferderennbahn Daglfing. H√∂hepunkte der in M√ľnchen stattfindenden Veranstaltungen sind die Opernfestspiele (seit 1875 Sommerfestspiele), die Schlosskonzerte und das Filmfest M√ľnchen (seit 1983).
 
 
Das Wirtschaftszentrum M√ľnchen steht nach Gr√∂√üe, Bedeutung und Vielseitigkeit nur hinter Hamburg und Berlin. 1995 z√§hlte M√ľnchen 780 000 Besch√§ftigte. Vorherrschende Industriezweige sind die elektronische Industrie, Elektrotechnik, Maschinen- und Fahrzeugbau, feinmechanische, optische, Nahrungs- und Genussmittelindustrie (mit sieben Brauereien; Bieraussto√ü 1995: 5,5 Mio. hl), ferner chemische und Textilindustrie sowie Verlagswesen, daneben Papier-, Kautschuk- sowie Lederindustrie und Holzverarbeitung. Gro√üe Bedeutung hat M√ľnchen als Umschlagplatz f√ľr Getreide sowie f√ľr Obst und Gem√ľse aus Italien und S√ľdosteuropa; bedeutendes Handels- (j√§hrlich verschiedene internationale Ausstellungen und Messen) und Bankenzentrum (B√∂rse); wichtigstes Zentrum der deutschen Versicherungswirtschaft. Ungew√∂hnlich stark ist das Handwerk vertreten mit 15 000 Betrieben und 116 000 Besch√§ftigten. Mit (1996) 6,2 Mio. Fremden√ľbernachtungen liegt M√ľnchen hinter Berlin in Deutschland an zweiter Stelle; eine gro√üe Rolle spielt neben Kongressen und Messen (Messegel√§nde auf der Theresienh√∂he; neues Messegel√§nde auf dem Gel√§nde des ehemaligen Flughafens M√ľnchen-Riem, 1998 er√∂ffnet) das Oktoberfest (1996: 6,9 Mio. Besucher). Zentrum des terti√§ren Wirtschaftsbereichs ist die zu einer Fu√üg√§ngerzone umgestaltete Altstadt am linken Isarufer zwischen Marienplatz, Karlsplatz und Hofgarten. In der Altstadt arbeiten auf 0,5 % der Stadtfl√§che etwa 10 % der Besch√§ftigten, wohnt aber nur rd. 1 % der Bev√∂lkerung. Die Industrie siedelte sich v. a. im n√∂rdlichen und nord√∂stlichen Stadtrandgebiet an. Im Stadtteil Schwabing entwickelte sich ein K√ľnstler- und Vergn√ľgungsviertel.
 
Verkehr:
 
M√ľnchen ist ein bedeutender Schnittpunkt des Verkehrs. Mehrere Fernstrecken der Eisenbahn und f√ľnf Autobahnen treffen hier zusammen. Dem Nahverkehr dienen Schnell-Bahn (acht Schnell-Bahnlinien mit insgesamt 510 km, davon 4,2 km Tunnelstrecke; 40 Schnell-Bahnh√∂fe in M√ľnchen) und U-Bahn (98 km in Betrieb); Stra√üenbahn- und Omnibuslinien besorgen den Tangenten- und Verteilerverkehr. Ein √§u√üerer Autobahnring f√ľr den Kraftfahrzeug-Fernverkehr, der M√ľnchen vom Durchgangsverkehr entlasten soll, ist zum Teil fertig gestellt. Der ausgebaute Mittlere Ring soll den innerst√§dtischen Verkehr kanalisieren; der Altstadtring h√§lt den Fernverkehr von der Innenstadt fern und erm√∂glichte den Ausbau einer Fu√üg√§ngerzone (1972). - Der neue Flughafen M√ľnchen im Erdinger Moos ist seit 1992 in Betrieb und wurde 1996 von 15,7 Mio. Passagieren genutzt.
 
 
Der Alte Hof (14./15. Jahrhundert), die erste Stadtresidenz der Wittelsbacher, zeigt trotz erheblicher baulicher Ver√§nderungen des 19. und 20. Jahrhunderts noch den Charakter eines wehrhaften Stadtschlosses. Ein umfangreicher Geb√§udekomplex entstand mit den 1560 begonnenen Residenzbauten: Das Antiquarium (1569-71) ist der gr√∂√üte profane Renaissancebau n√∂rdlich der Alpen. Unter Kurf√ľrst Maximilian I. wurde die Residenz zu einer m√§chtigen Schlossanlage ausgebaut (1601-19), Anlage des Hofgartens 1613-17. Eine neue Bauperiode lie√ü die Rokokor√§ume (1730-37, von F. de Cuvilli√©s dem √Ąlteren entworfen, von J. B. Zimmermann u. a. ausgef√ľhrt), z. B. Reiche Zimmer, Ahnen- und Gr√ľne Galerie, Altes Residenztheater (1750-53, Museum), entstehen. Unter K√∂nig Ludwig I. gab L. von Klenze der Residenz ihr endg√ľltiges Aussehen: K√∂nigsbau (1826-35), darin Schatzkammer und Nibelungens√§le (Fresken von J. Schnorr von Carolsfeld, 1827-67, Teil des Residenzmuseums), Allerheiligenhofkirche (1826-37) und Festsaalbau (1832-42).
 
Zentrum der Altstadt ist neben der Residenz der Marienplatz: Er wird beherrscht vom gotischen Alten Rathaus (1470-80) mit dem ¬ĽUnteren Tor¬ę und vom Neuen Rathaus (1867-1908 von G. J. Hauberrisser in Anlehnung an flandrische Gotik) mit seinem 80 m hohen Turm; Mariens√§ule (1638). √Ąlteste Pfarrkirche ist Sankt Peter (13./14. Jahrhundert, im 17./18. Jahrhundert barock umgestaltet) mit reicher Ausstattung von der Sp√§tgotik bis zum Klassizismus. Das Wahrzeichen der Stadt, die sp√§tgotische Frauenkirche (1468-88, 1989-93 renoviert), ist die gr√∂√üte Hallenkirche S√ľddeutschlands (109 m lang); die markanten ¬Ľwelschen Hauben¬ę der Doppelturmfassade kamen in der Renaissance (1525) hinzu. In der ehemaligen Augustinerkirche (13.-15. Jahrhundert, 1618-21 barockisiert) das Deutsche Jagdmuseum. Als sch√∂nstes Haus der Sp√§tgotik gilt die ehemalige Stadtschreiberei, heute Weinstadl (1551/52); die Alte M√ľnze (1563-67) ist ein Hauptwerk s√ľddeutscher Renaissance. Die Jesuitenkirche Sankt Michael (1583-97, Chor und Querhaus von F. Sustris), ein m√§chtiger, tonnengew√∂lbter Wandpfeilersaal, f√ľhrte den Manierismus in S√ľddeutschland ein; westlich die Alte Akademie (1585-90). Erster Gro√übau des Hochbarock in Deutschland ist die Theatinerkirche Sankt Kajetan (1663-75, von A. Barelli und E. Zuccalli, Tambourkuppel 1688 vollendet). Der B√ľrgersaal (Schutzengelgruppe, 1763, von I. G√ľnther) wurde f√ľr die Marianische Kongregation 1709/10 durch G. A. Viscardi erbaut, von ihm auch die Dreifaltigkeitskirche (1711 ff., 1718 geweiht). Die Br√ľder C. D. und E. Q. Asam wirkten in der gotischen Heiliggeistkirche am Viktualienmarkt (1392 vollendet, 1723-27 barockisiert), in der Damenstiftskirche Sankt Anna (1732-35; das anschlie√üende Stiftsgeb√§ude fr√ľhklassizistisch 1784/85), in der Sankt Anna-Klosterkirche am Lehel (1727-30, von J. M. Fischer) und in der Johann-Nepomuk-Kirche (¬ĽAsam-Kirche¬ę, 1733-46, seltenes Beispiel eines Privatkirchenbaus b√ľrgerlicher K√ľnstler) samt Asam-Haus und schufen hervorragende Rokokostuckaturen. Zu den reichsten Palais des bayerischen Rokoko z√§hlen das Palais Porcia (1693, von Zuccalli, 1737 durch Cuvilli√©s den √Ąlteren umgestaltet), das Palais Preysing (1723-28, von J. Effner, Prunktreppe mit Stuck von J. B. Zimmermann) und das Palais Holnstein (jetzt Erzbisch√∂flicher Palais, 1733-37, von Cuvilli√©s dem √Ąlteren). Der Englische Garten mit zahlreichen Geb√§uden (Chinesischer Turm 1789/90, Rumfordhaus 1791, Monopteros 1833) ist einer der fr√ľhesten Landschaftsg√§rten in Deutschland.
 
Vier Stra√üen wurden im 19. Jahrhundert zu Prachtstra√üen ausgebaut: die Brienner Stra√üe mit Karolinen-, Wittelsbacher- und K√∂nigsplatz, Letzterer mit der Glyptothek (1816-30, von Klenze), der Staatlichen Antikensammlung (1838-48, von G. F. Ziebland) und den Propyl√§en (1846-62, von Klenze); die Ludwigstra√üe (1817-27 durch Klenze, 1828-50 durch F. von G√§rtner) mit Bauwerken im Stil der italienischen Renaissance, im S√ľden Feldherrnhalle (1841-44), anschlie√üend der Odeonsplatz mit Klenzes Leuchtenbergpalais (1816-21), in einem klassizistisch umgedeuteten Neurenaissancestil, ferner Kriegsministerium (1827-30), Staatsbibliothek (1832 bis 1843), Ludwigskirche (1829-44), Universit√§t (1835 bis 1840) und Siegestor (1843-50) im N; die Maximilianstra√üe (1853-75), ausgehend vom Nationaltheater (1811-18, nach Brand von Klenze 1823-25 wieder aufgebaut) und ehemaliges Palais T√∂rring (1747-58, 1836-39 von Klenze zur Hauptpost umgebaut), mit Schauspielhaus (1900/01, von M. Littmann und R. Riemerschmid), Regierung von Oberbayern (1856-64), V√∂lkerkundemuseum (1858-65) und Maximilianeum (1857-74) als oberem Abschluss; die Prinzregentenstra√üe (1891 begonnen), beginnend am klassizistischen Prinz-Karl-Palais (1803-11), mit dem Haus der Kunst (1933-37, von P. L. Troost; 1991-94 saniert und modernisiert), dem historistischen Prachtbau des Bayerischen Nationalmuseums (1894-1900), Schack-Galerie (1907-09), Villa Stuck (1897-98, nach Entw√ľrfen des Malers F. von Stuck, Atelierfl√ľgel 1914, Jugendstilmuseum), Prinzregententheater (1900/01). Postamt am Goetheplatz von R. Vorhoelzer (1931-32); das Theater am G√§rtnerplatz (1864/65) entstand als verkleinerte Nachbildung des Nationaltheaters; Rondellbebauung am Karlsplatz von G. von Seidl (1899-1902); der Justizpalast am Lenbachplatz (1887-97, von F. von Thiersch) ist ein Werk des Sp√§thistorismus (Neubarock); Erl√∂serkirche (Ungererstra√üe) von T. Fischer (1902).
 
Zu den architektonisch wichtigsten Bauten der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg geh√∂ren u. a.: die Rekonstruktion der Maxburg an der Pacellistra√üe (1956-57, von S. Ruf); Anlage und Sportbauten f√ľr die Olympischen Spiele 1972 von G. Behnisch (1967-72, mit F. Otto); das BMW-Verwaltungsgeb√§ude (1970-73, von Karl Schwanzer); die Neue Pinakothek (1973-81, von A. von Branca); das Hypobankgeb√§ude am Arabellapark (1975-81, von Walter und Bea Betz); der ¬ĽKunstbau¬ę der St√§dtischen Galerie im Lenbachhaus in der U-Bahnstation K√∂nigsplatz (1994 er√∂ffnet, von Uwe Kiessler); das neue Verwaltungsgeb√§ude der Max-Planck-Gesellschaft (1997-99, von Rudolf Graf, Michael Streib, Angelika Popp); der Neubau f√ľr die M√ľnchner Kammerspiele (2001 er√∂ffnet, vonG. Peichl); die Pinakothek der Moderne (Staatsgalerie f√ľr moderne Kunst) von S. Braunfels(1996-2003); zahlreiche Passagen (u. a. Kaufinger Tor, 1994 er√∂ffnet, von Heinz Hilmer und Christoph Sattler).
 
Sp√§tgotische Bauwerke bieten die Stadtteile Blutenburg (Schloss 1439 vollendet, Kirche 1488), Untermenzing (Martinskirche 1499) und Pipping (Wolfgangskirche 1478-80 mit vollst√§ndiger Ausstattung). Sankt Michael in Berg am Laim ist einer der bedeutendsten sp√§tbarocken Kirchenbauten (1735-42, von J. M. Fischer, Stuck und Fresken von J. B. Zimmermann, Alt√§re von J. B. Straub). In der Georgskirche in Bogenhausen (sp√§tgotischer Chor, sonst Neubau 1766-68) Hochaltar von Straub und Kanzel von I. G√ľnther (1733). Nahe bei Sankt Maria in Thalkirchen, einem barockisierten Bau um 1400, das Asam-Schl√∂sschen (1729/30 mit bemalter Fassade). Ramersdorf hat eine der √§ltesten Marienwallfahrtskirchen Altbayerns (der Neubau des 15. Jahrhunderts wurde 1675 barockisiert). In F√ľrstenried ein Jagdschloss von J. Effner (1715-17). Im Westen der Stadt Schloss Nymphenburg.
 
 
Das Stadtgebiet von M√ľnchen war bereits im j√ľngeren Neolithikum besiedelt. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. geh√∂rte die Gegend des heutigen M√ľnchen zum Gebiet der keltischen Vindeliker. In der R√∂merzeit ber√ľhrten zwei wichtige Stra√üen das heutige Stadtgebiet: Eine kreuzte, von Wels kommend, bei Oberf√∂hring die Isar und vereinigte sich mit einer von Kempten nach Augsburg f√ľhrenden.
 
Schon vor der eigentlichen Gr√ľndung (1158) des planm√§√üig angelegten M√ľnchen hatte eine Siedlung MuŐ£nichen (¬Ľbei den M√∂nchen¬ę) bestanden. - Die Geschichte des vorwelf. Siedlungskerns ist noch ungekl√§rt. Die Vorl√§uferin der Pfarrkirche Sankt Peter stammt nach Ausgrabungsbefunden (nach 1945) aus der Mitte des 11. Jahrhunderts - Herzog Heinrich der L√∂we von Bayern und Sachsen hatte 1157/58 die freising. Zollbr√ľcke in Oberf√∂hring zerst√∂rt und den dortigen Markt gegen Abfindung in das isaraufw√§rts gelegene M√ľnchen verlegt, was einen Streit zwischen Heinrich und Bischof Otto von Freising begr√ľndete. In seinem Schiedsspruch auf dem Reichstag in Augsburg (14. 6. 1158 billigte Kaiser Friedrich I. Barbarossa, mit dem Herzog und dem Bischof verwandt, die Aufhebung von Markt, M√ľnze und Br√ľcke im bisch√∂flichen Oberf√∂hring, bestimmte jedoch, dass der Bischof ein Drittel der M√ľnz- und Zolleinnahmen aus M√ľnchen erhalten sollte. Bis 1803 ging diese Abgabe an Freising, dann bis 1852 an den bayerischen Staat. Durch ein F√ľrstengericht beim Reichstag in Regensburg am 13. 7. 1180 wurde die Verlegung des Marktes nach M√ľnchen zwar widerrufen, es traten jedoch keine Ver√§nderungen ein, ausser das die Stadt 1180 an das Bistum Freising kam. 1239 erreichte die B√ľrgerschaft eine gewisse Autonomie, 1240 fiel M√ľnchen nach schweren Auseinandersetzungen an die Wittelsbacher (1255-1918 deren Residenz). 1280 bekam die Stadt durch K√∂nig Rudolf I. von Habsburg gro√üz√ľgige Handelsfreiheiten. 1294 erhielt M√ľnchen sein erstes Stadtrecht. Auf Kaiser Ludwig IV., den Bayern, gehen die kaiserlichen Stadtfarben Schwarzgelb zur√ľck. Er verlieh der Stadt auch das zweite Stadtrecht. Mit ihm wird die Stadterweiterung in Zusammenhang gebracht. In M√ľnchen wirkten damals Marsilius von Padua und Wilhelm von Ockham, die Parteig√§nger Ludwigs des Bayern im Streit mit der Kurie.
 
Seit 1317/18 sind ein √Ąu√üerer und ein Innerer Rat nachweisbar. Herzog Maximilian I. machte M√ľnchen zum Zentrum des Katholizismus in Deutschland (1609 Gr√ľndung der katholischen Liga in M√ľnchen). Nach der kampflosen √úbergabe der Stadt an Gustav II. Adolf von Schweden (1632) musste eine hohe Kriegskontribution entrichtet werden. - Der Drei√üigj√§hrige Krieg (1618-48) brachte M√ľnchen auf einen wirtschaftlichen Tiefpunkt. Im Spanischen Erbfolgekrieg nach der Niederlage von H√∂chst√§dt (1704) bis 1715 von √∂sterreichischen Truppen besetzt, erhob sich 1705 die Bev√∂lkerung in der ¬ĽSendlinger Mordweihnacht¬ę gegen die √Ėsterreicher. Auch im √Ėsterreichen Erbfolgekrieg war M√ľnchen zwischen 1742 und 1744 mit Unterbrechungen von √∂sterreichischen Truppen besetzt. Zwischen 1600 und 1750 wurden zahlreiche Kirchen und Kl√∂ster gegr√ľndet.
 
1801 wurde das Einb√ľrgerungsverbot f√ľr Protestanten aufgehoben, 1802/03 Gericht und Polizei verstaatlicht, 1810 der Magistrat aufgehoben. Seit 1818 hatte M√ľnchen wieder Selbstverwaltung (mit zwei B√ľrgermeistern und zwei Ratskollegien). 1818 wurde M√ľnchen auch Sitz des Erzbischofs von M√ľnchen und Freising. Unter K√∂nig Ludwig I. (1825-48) entwickelte es sich zu einem Zentrum der K√ľnste und der K√ľnstler, unter Maximilian II. Joseph (1848-64) zu einer Pflegest√§tte der Wissenschaften. Ludwig II. (1864-86) f√∂rderte besonders die Musik R. Wagners. Im 19. Jahrhundert wirkten in M√ľnchen Gelehrte (J. von G√∂rres, J. von Liebig, M. von Pettenkofer, F. X. von Baader, I. von D√∂llinger, J. A. M√∂hler u. a.), Techniker (J. von Fraunhofer, G. von Reichenbach, A. Senefelder), der Stenograf F. X. Gabelsberger und viele Maler (M. von Schwind, C. Spitzweg u. a.). Wirtschaft und Technik sowie das Braugewerbe bl√ľhten auf. 1841 wurde in M√ľnchen die erste Lokomotive gebaut. Unter Prinzregent Luitpold (1886-1912) erlebte die Stadt eine wirtschaftliche und kulturelle Bl√ľte. Der Stadtteil Schwabing wurde um 1900 K√ľnstlerviertel.
 
Im November 1918 wurde M√ľnchen Hauptstadt des von K. Eisner proklamierten Freistaats Bayern; nach dessen Ermordung wurde am 7. 4. 1919 eine kurzzeitige R√§terepublik ausgerufen. Aus der 1919 in M√ľnchen gegr√ľndeten ¬ĽDeutsche Arbeiterpartei¬ę ging die NSDAP hervor (Neugr√ľndung 1925). Am 9. 11. 1923 scheiterte vor der Feldherrnhalle der Hitlerputsch; so wurde M√ľnchen fr√ľh zum Zentrum des Nationalsozialismus (NS-offiziell ¬ĽHauptstadt der Bewegung¬ę); am 8. 11. 1939 missgl√ľckte ein Attentat (G. Elser) auf Hitler.
 
Im Zweiten Weltkrieg wurde fast die H√§lfte der Stadt zerst√∂rt (Bombardements ab 1943 und v. a. 7./8. 1. 1945). 1957 √ľberschritt die Einwohnerzahl die Millionengrenze (1850: 89 000, 1900: 490 000, 1950: 824 000). 1972 war M√ľnchen Austragungsort der Olympischen Sommerspiele. (M√ľnchener Abkommen)
 
 
M.s Kirchen, hg. v. N. Lieb u. a. (1973);
¬†J. Thinesse-Demel: M√ľnchner Architektur zw. Rokoko u. Klassizismus (1980);
¬†E.-M. Wasem: Die M√ľnchner Residenz unter Ludwig. Bildprogramme u. Bildausstattungen in den Neubauten (1981);
 
Museen in M., hg. v. M. Goedl (1983);
 
M. Ein sozialgeograph. Exkursionsf√ľhrer, hg. v. R. Geipel u. a. (1987);
 
M., Weltstadt in Bayern, hg. v. J. Birkenhauer u. a. (1987);
¬†S. Fisch: Stadtplanung im 19. Jh. Das Beispiel M. bis zur √Ąra Theodor Fischer (1988);
 K. Gallas: M. (91988);
 N. Lieb: M., die Gesch. seiner Kunst (41988);
¬†H. F. N√∂hbauer: M. Eine Gesch. der Stadt u. ihrer B√ľrger, 2 Bde. (1-21989-92);
 
Soziale Räume in der Urbanisierung. Studien zur Gesch. M.s im Vergleich 1850 bis 1933, hg. v. W. Hardtwig u. a. (1989);
 
Denkmäler in Bayern, hg. v. M. Petzet, Bd. 1 (Tl. 1: Landeshauptstadt M. 21990);
 G. Fischer: Architektur in M. seit 1900. Ein Wegweiser (1990);
 N. Huse: Kleine Kunstgesch. M.s (1990);
 
M. Gesch. einer Stadt, bearb. v. A. Bauer u. E. Piper (Neuausg. 1996).
 
 2) Landkreis im Regierungsbezirk Oberbayern, 667 km2, 289 700 Einwohner.
 

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M√ľŐ£n|chen: Stadt an der Isar; Landeshauptstadt von Bayern.

Universal-Lexikon. 2012.

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